Brandklassen – Übersicht aller Brandklassen nach DIN EN 2
Brandklassen dienen der Einteilung von Bränden nach den brennenden Stoffen. Sie bilden die Grundlage für die Auswahl geeigneter Feuerlöscher, die Planung von Brandschutzmaßnahmen und die Durchführung von Brandschutzunterweisungen. Wer die verschiedenen Brandklassen kennt, kann Brände schneller einschätzen und geeignete Löschmittel sicher einsetzen.
In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Brandklassen es gibt, welche Stoffe jeweils betroffen sind, welche Feuerlöscher geeignet oder ungeeignet sind und welche gesetzlichen Grundlagen Unternehmen beachten müssen.

Häufige Frage aus meinen Schulungen

„Immer wieder werde ich gefragt, ob man im Brandfall zuerst auf die Brandklasse des Feuerlöschers schauen sollte. Im Ernstfall ist dafür oft keine Zeit. Die Auswahl des passenden Feuerlöschers erfolgt bereits lange vor einem Brand. Brandschutzsachverständige oder Fachplaner für Brandschutz legen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung fest, welche Brandgefahren in den einzelnen Bereichen bestehen. Auf dieser Grundlage werden die geeigneten Feuerlöscher mit den passenden Brandklassen ausgewählt und genau dort installiert, wo sie benötigt werden. Wer einen Feuerlöscher aus dem vorgesehenen Bereich entnimmt, kann grundsätzlich davon ausgehen, dass dieser für die dort zu erwartenden Brandrisiken geeignet ist.
Meine Empfehlung: Wenn es die Situation zulässt, werfen Sie dennoch einen kurzen Blick auf die Kennzeichnung des Feuerlöschers und die angegebenen Brandklassen. Dieser Kontrollblick dauert nur einen Moment und gibt zusätzliche Sicherheit, dass der Feuerlöscher für den vorliegenden Brand geeignet ist.“
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Was sind Brandklassen?
Brandklassen sind eine genormte Einteilung von Bränden nach der Art des brennenden Stoffes. Sie dienen dazu, Brände eindeutig zu klassifizieren und das geeignete Löschmittel auszuwählen. Die Einteilung erfolgt nach der europäischen Norm DIN EN 2 und bildet die Grundlage für den Einsatz von Feuerlöschern sowie die Planung betrieblicher Brandschutzmaßnahmen.
Nicht jeder Brand lässt sich mit jedem Feuerlöscher sicher bekämpfen. Ein falsches Löschmittel kann den Brand verschlimmern oder Personen gefährden. Deshalb ist es wichtig, die verschiedenen Brandklassen zu kennen und den passenden Feuerlöscher einzusetzen.
In Deutschland werden Brände in insgesamt fünf Brandklassen eingeteilt:
- Brandklasse A: Feste, überwiegend organische Stoffe mit Glutbildung.
- Brandklasse B: Flüssige oder flüssig werdende Stoffe.
- Brandklasse C: Gase.
- Brandklasse D: Metalle.
- Brandklasse F: Speiseöle und Speisefette.
Eine Brandklasse E gibt es heute nicht. Früher wurde dieser Begriff umgangssprachlich für Brände elektrischer Anlagen verwendet. Nach der aktuellen Norm werden elektrische Geräte jedoch keiner eigenen Brandklasse zugeordnet. Entscheidend ist vielmehr, welches Material tatsächlich brennt und ob der verwendete Feuerlöscher für elektrische Anlagen geeignet ist.
Warum sind Brandklassen wichtig?
Die Kenntnis der Brandklassen trägt wesentlich zur Sicherheit im Unternehmen bei. Sie hilft dabei, geeignete Feuerlöscher auszuwählen, Beschäftigte im Rahmen von Brandschutzunterweisungen zu schulen und Brände im Ernstfall schnell und sicher zu bekämpfen.
Auch gesetzliche und technische Regelwerke, wie die ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“, orientieren sich an der richtigen Auswahl und Bereitstellung von Feuerlöscheinrichtungen entsprechend der vorhandenen Brandgefährdung.
Merke
Nicht der Entstehungsort eines Brandes bestimmt die Brandklasse, sondern ausschließlich der brennende Stoff. Deshalb muss vor dem Einsatz eines Feuerlöschers immer beurteilt werden, welche Materialien tatsächlich brennen.
Brandklasse A – Brände fester Stoffe
Die Brandklasse A umfasst Brände fester, überwiegend organischer Stoffe, die normalerweise unter Glutbildung verbrennen. Diese Brandklasse tritt in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Privathaushalten am häufigsten auf.
Typische brennbare Stoffe
- Holz
- Papier und Karton
- Pappe
- Textilien
- Stroh und Heu
- Kohle
- Kunststoffe (teilweise)
Geeignete Feuerlöscher
- Wasserlöscher
- Schaumlöscher
- ABC-Pulverlöscher
Nicht geeignet
- Metallbrandlöscher
- Fettbrandlöscher (nur für Speiseöle und -fette)
Brandklasse B – Brände flüssiger Stoffe
Zur Brandklasse B gehören brennbare Flüssigkeiten sowie Stoffe, die beim Erwärmen flüssig werden. Diese Brände breiten sich häufig sehr schnell aus und entwickeln hohe Temperaturen.
Typische brennbare Stoffe
- Benzin
- Diesel
- Alkohol
- Lacke
- Lösungsmittel
- Wachs
- Paraffin
Geeignete Feuerlöscher
- Schaumlöscher
- BC-Pulverlöscher
- ABC-Pulverlöscher
- CO₂-Löscher (bei kleineren Entstehungsbränden)
Wichtig
Flüssigkeitsbrände dürfen niemals mit Wasser gelöscht werden. Das Wasser kann den brennenden Stoff verdrängen und den Brand erheblich vergrößern.
Brandklasse C – Brände von Gasen
Die Brandklasse C umfasst Brände brennbarer Gase. Vor einer Brandbekämpfung sollte – sofern gefahrlos möglich – zuerst die Gaszufuhr unterbrochen werden.
Typische Gase
- Propan
- Butan
- Erdgas
- Wasserstoff
- Acetylen
Geeignete Feuerlöscher
- BC-Pulverlöscher
- ABC-Pulverlöscher
Praxishinweis
Ein Gasbrand sollte nur gelöscht werden, wenn gleichzeitig die Gaszufuhr sicher unterbrochen werden kann. Andernfalls besteht die Gefahr einer explosionsfähigen Gaswolke.
Brandklasse D – Metallbrände
Brandklasse D umfasst Brände brennbarer Metalle. Diese Brände erreichen sehr hohe Temperaturen und reagieren häufig gefährlich mit Wasser oder Schaum.
Typische Metalle
- Magnesium
- Aluminiumspäne
- Lithium
- Natrium
- Kalium
- Titan
Geeignete Feuerlöscher
- D-Pulverlöscher (Metallbrandlöscher)
Lebensgefahr
Metallbrände dürfen niemals mit Wasser, Schaum oder CO₂ gelöscht werden. Es kann zu heftigen chemischen Reaktionen, Explosionen oder einer schlagartigen Brandausbreitung kommen.
Brandklasse F – Brände von Speiseölen und Speisefetten
Die Brandklasse F umfasst Brände von Speiseölen und Speisefetten, wie sie beispielsweise in Großküchen, Kantinen, Restaurants oder Imbissen auftreten können.
Typische Stoffe
- Frittieröl
- Speisefett
- Pflanzenöl
- Tierische Fette
Geeignete Feuerlöscher
- Fettbrandlöscher (Brandklasse F)
Niemals Wasser verwenden!
Beim Löschen eines Fettbrandes mit Wasser entsteht eine explosionsartige Fettexplosion. Dabei wird brennendes Fett meterweit verteilt und es besteht erhebliche Verletzungsgefahr.
Welcher Feuerlöscher eignet sich für welche Brandklasse?
Nicht jeder Feuerlöscher ist für jede Brandklasse geeignet. Die Wahl des richtigen Löschmittels entscheidet darüber, ob ein Entstehungsbrand sicher bekämpft werden kann oder sich die Situation verschlimmert. Deshalb sind die unterstützten Brandklassen auf jedem Feuerlöscher durch entsprechende Piktogramme gekennzeichnet.
Vor dem Einsatz eines Feuerlöschers sollte daher immer geprüft werden, welcher Stoff tatsächlich brennt. Ein ungeeignetes Löschmittel kann zu gefährlichen Reaktionen führen oder den Brand weiter ausbreiten.
Übersicht aller Brandklassen
| Brandklasse | Brennende Stoffe | Typische Beispiele | Geeignete Feuerlöscher |
|---|---|---|---|
| A | Feste Stoffe mit Glutbildung | Holz, Papier, Karton, Textilien | Wasser, Schaum, ABC-Pulver |
| B | Flüssigkeiten und flüssig werdende Stoffe | Benzin, Lacke, Alkohol, Diesel | Schaum, BC-Pulver, ABC-Pulver, CO₂ |
| C | Gase | Propan, Butan, Erdgas, Wasserstoff | BC-Pulver, ABC-Pulver |
| D | Metalle | Magnesium, Lithium, Natrium | Metallbrandlöscher (D-Pulver) |
| F | Speiseöle und Speisefette | Fritteusen, Großküchen | Fettbrandlöscher |
Häufige Fehler beim Löschen von Bränden
Viele Unfälle entstehen nicht durch das Feuer selbst, sondern durch den Einsatz ungeeigneter Löschmittel. Wer die Brandklassen kennt und den passenden Feuerlöscher verwendet, kann diese Risiken vermeiden.
- ❌ Flüssigkeitsbrände (Brandklasse B) mit Wasser löschen.
- ❌ Fettbrände (Brandklasse F) mit Wasser bekämpfen.
- ❌ Metallbrände (Brandklasse D) mit Wasser oder Schaum löschen.
- ❌ Einen Feuerlöscher einsetzen, ohne die Brandklasse zu prüfen.
- ❌ Gasbrände löschen, ohne zuvor – wenn gefahrlos möglich – die Gaszufuhr zu unterbrechen.
Praxis-Tipp
Achten Sie bereits beim Kauf oder bei der Bereitstellung von Feuerlöschern auf die angegebenen Brandklassen. So stellen Sie sicher, dass im Ernstfall das passende Löschmittel verfügbar ist und Brände sicher bekämpft werden können.
Häufig gestellte Fragen zu Brandklassen
Wie viele Brandklassen gibt es?
Nach DIN EN 2 gibt es fünf Brandklassen: A, B, C, D und F. Eine Brandklasse E existiert nicht mehr.
Warum gibt es keine Brandklasse E?
Elektrische Anlagen bilden keine eigene Brandklasse. Maßgeblich ist immer der Stoff, der tatsächlich brennt. Bei elektrischen Anlagen muss zusätzlich die zulässige Einsatzgrenze des Feuerlöschers beachtet werden.
Welcher Feuerlöscher eignet sich für die meisten Brände?
ABC-Pulverlöscher decken die Brandklassen A, B und C ab und sind deshalb vielseitig einsetzbar. In Innenräumen werden jedoch häufig Schaumlöscher bevorzugt, da sie weniger Folgeschäden verursachen.
Darf man einen Fettbrand mit Wasser löschen?
Nein. Wasser führt bei brennendem Fett zu einer gefährlichen Fettexplosion. Für Brände der Brandklasse F dürfen ausschließlich geeignete Fettbrandlöscher verwendet werden.
Wo sind Brandklassen auf Feuerlöschern gekennzeichnet?
Die unterstützten Brandklassen sind auf jedem Feuerlöscher durch Piktogramme und Buchstaben angegeben. Vor dem Einsatz sollte geprüft werden, ob der Feuerlöscher für den jeweiligen Brand geeignet ist.
Downloads
Zur Unterstützung Ihrer betrieblichen Brandschutzorganisation stellen wir Ihnen praxisnahe Informationen und Arbeitshilfen zur Verfügung.
- 📄 Übersicht der Brandklassen (PDF)
- 📄 Auswahlhilfe für Feuerlöscher
- 📄 Merkblatt Verhalten im Brandfall
- 📄 Checkliste Brandschutz im Unternehmen
Hinweis: Die Downloads werden in Kürze bereitgestellt.
Weiterführende Fachthemen
Vertiefen Sie Ihr Wissen rund um den betrieblichen Brandschutz mit unseren weiteren Fachbeiträgen.
Brandschutz
Grundlagen, Vorschriften und Maßnahmen des betrieblichen Brandschutzes.
Feuerlöscher
Arten, Einsatzbereiche und Auswahl geeigneter Feuerlöscher.
Brandschutzhelfer
Aufgaben, Ausbildung und gesetzliche Anforderungen.
Brandschutzordnung
Aufbau, Inhalte und Umsetzung nach DIN 14096.
Brandschutzunterweisung
Unterweisungen rechtssicher durchführen.
ASR A2.2
Technische Regeln für Maßnahmen gegen Brände.
Fazit
Brandklassen bilden die Grundlage für einen sicheren und wirksamen Brandschutz. Wer die Unterschiede zwischen den Brandklassen kennt, kann geeignete Feuerlöscher auswählen, Brände richtig einschätzen und gefährliche Fehlentscheidungen vermeiden.
Insbesondere in Unternehmen trägt die richtige Auswahl von Feuerlöscheinrichtungen wesentlich zum Schutz von Beschäftigten, Sachwerten und Betriebsabläufen bei. Regelmäßige Brandschutzunterweisungen sowie praktisch geschulte Brandschutzhelfer sorgen dafür, dass im Ernstfall schnell und richtig gehandelt wird.
Die KUHP Akademie unterstützt Unternehmen mit praxisnahen Brandschutzschulungen, Ausbildungen für Brandschutzhelfer sowie weiterführenden Fachinformationen rund um den betrieblichen Brandschutz.
Brandklassen auf einen Blick
Die folgende Übersicht zeigt die fünf Brandklassen nach DIN EN 2 mit typischen Beispielen und den jeweils geeigneten Feuerlöschern.
🟩 Brandklasse A
Feste Stoffe
Holz, Papier, Karton, Textilien
Geeignete Feuerlöscher:
💧 Wasser
🫧 Schaum
🟨 ABC-Pulver
🟥 Brandklasse B
Flüssigkeiten
Benzin, Diesel, Alkohol, Lacke
Geeignete Feuerlöscher:
🫧 Schaum
🟨 BC-/ABC-Pulver
⚫ CO₂
🟦 Brandklasse C
Gase
Propan, Butan, Erdgas, Wasserstoff
Geeignete Feuerlöscher:
🟨 BC-/ABC-Pulver
⬜ Brandklasse D
Metalle
Magnesium, Lithium, Natrium
Geeignete Feuerlöscher:
🟫 Metallbrandlöscher (D)
🟨 Brandklasse F
Speiseöle und -fette
Fritteusen, Großküchen
Geeignete Feuerlöscher:
🟩 Fettbrandlöscher